Das Planspiel als Methode politischer Bildung

Wenn im Fach Gemeinschaftskunde das Thema Politik behandelt wird, reißt es meist nur wenige Schüler*innen vom Hocker. Strukturdiagramme, Schaubilder und viele Fremdwörter gehören zur Materie, die den meisten Jugendlichen völlig fremd ist. Planspiele in der politischen Jugendbildung ermöglichen es, die Thematik mit Leben zu füllen. Langwierige politische Prozesse und die bürokratischen Hürden, die zu nehmen sind, bis eine Entscheidung unter Dach und Fach ist, werden transparenter, wenn man sie selbst in der Rolle des*r Bürgermeisters*in oder eines*r Landtagsabgeordneten „durchlebt“ hat.

Planspiele sind komplexe Rollenspiele und erlauben die Beobachtung länger dauernder Beziehungsdynamiken zwischen Personen, Gruppen sowie Institutionen innerhalb eines relativ strukturierten und kontrollierten organisatorischen Rahmens.


Planspiele in der Bildungsarbeit haben Ernstcharakter und bietet die Möglichkeit, neue Sichtweisen und Handlungswege innerhalb eines Systems zu entdecken und auszuprobieren, in dem sie in die ihnen – von der Außensicht – Rollen schlüpfen.


Wie bei allen Life-Simulationen geht es auch hier darum,


Verständnis für den Ablauf von Planungs- und Entscheidungsprozessen in komplexen Systemen zu entwickeln;

Beziehungen und Zusammenhänge zwischen Personen, Gruppen, Organisationen und Systemen zu durchleuchten;

innovative Entwicklungen, Lösungs- und Handlungsstrategien auszuprobieren;

spielerisch Kompetenzen im Umgang mit Planung, Entscheidung sowie im Umgang mit dabei auftretenden Konflikten zu vermitteln.


Das Planspiel soll dazu beitragen, Politik ins „wirkliche Leben“ junger Menschen (zurück-) zu holen. 

Das Planspiel will verdeutlichen, dass:
– Politik mehr ist, als ein Kreuzchen auf einem Stimmzettel.
– Politik dort beginnt, wo Menschen sich einmischen und ihre Interessen artikulieren.
– Politik (auch auf Gemeindeebene) nach bestimmten Spielregeln funktioniert.
– es sich lohnt, die Spielregeln der Politik zu kennen, sie anzuwenden oder einfach neue auszuprobieren.
– es sich lohnt, in der Öffentlichkeit für eine Sache zu kämpfen.
– politische Entscheidungen von vielen Faktoren abhängen.
– viele Interessensgruppen massiv auf die Politiker*innen einwirken und letztlich deren Entscheidungen beeinflussen.

Ziel des Planspiels muss sein, Jugendlichen einen Einblick in gesellschaftliche Prozesse, Vorgänge, Einrichtungen, Organisationen und Strukturen zu ermöglichen. Diese Erfahrung soll ihnen eine Hilfestellung bei der Entwicklung von kritischen Einstellungen und Positionen gegenüber Politik und politischem Entscheidungs-prozessen geben. Darüber hinaus können Handlungsstrategien eingeübt und ausprobiert werden, die jungen Menschen helfen, sich in ihrem Lebensumfeld gesellschaftlich zu engagieren und damit – im weitesten Sinne – politisch zu agieren.

Um diese Lernziele zu erreichen, muss das Setting des Planspiels nahe an der Lebenswelt der Jugendlichen platziert werden. Landespolitische Themen sind nur für einen kleinen Ausschnitt der Jugendlichen relevant. Um einen Anreiz fürs „Mitspielen“ zu schaffen, muss die Ausgangssituation des Planspiels so gestaltet sein, dass Jugendliche darin Parallelen zu ihrem Alltag entdecken können. Die „Nähe“ zur Lebenswelt junger Menschen vermindert einerseits die Gefahr einer Überforderung im Spiel (Was ist ein Staatssekretär? Was tut ein Ministerpräsident?) und erhöht andererseits die Wahrscheinlichkeit, dass die Jugendlichen die Erfahrungen aus dem Planspiel im Alltag umsetzen.

Ziele, die das Planspiel erreichen sollte

Spaß und spielerisches Lernen

* Modernes, schnelles Medium
* Gruppenarbeit
* Wettbewerbscharakter
* Spielerisches Erarbeiten von Wissen
* Rollenspiel

Spannung, Information und Meinungsbildung
* „Unbekannte„ und deshalb „interessante„ Mitspieler*innen
* Offener Ausgang des Spiels (Macht – Ohnmacht)
* Suche nach Informationen übers Internet
* Miteinbeziehen von aufbereiteten Informationen der Spielleitung zu bestimmten Themen
* Diskussion in der Spielgruppe über Handlungsstrategien
* Auseinandersetzung mit Positionen der Parteien zu bestimmten Themen

Anreiz für „reale„ Einmischung in politisches Geschehen
* Realitätsnahe Spielgestaltung mit „Wiedererkennungswert“
* „Erfolgserlebnisse“ im Spiel animieren zur Einmischung im Alltag

Modellhaftes Lernen und Ausprobieren von Beteiligung(swegen)
* Realistische Ausgangs- und Spielsituation
* Spiel fordert Gruppen heraus, bewusst Handlungsstrategien zu entwickeln
* Der Spielcharakter erleichtert es, neue Wege der Einmischung auszuprobieren
(„Es steht nicht so viel auf dem Spiel wie im echten Leben.„)
* Reflektion und Auswertung des Spiels bringt Transfer zum „echten Leben„

Wissensvermittlung über lokal- und landespolitische Strukturen und Vorgänge
* Die Auseinandersetzung mit den Kompetenzen und Aufgaben der Rollen ermöglicht einen Einblick in die Struktur der Landes- und Kommunalpolitik (Wer ist für was zuständig?)

Förderung einer reflektierten Wahrnehmung (kommunal-)politischer Prozesse und Entscheidungen
* Rollentausch (und Austausch) mit den Politiker*innen ermöglicht kritisch-reflektierte Auseinandersetzung mit kommunalpolitischen Entscheidungen
* Im Planspiel werden politische Prozesse auch für Jugendliche (zeitlich) überschaubar

Hilfe bei der Überwindung mentaler Hindernisse (Stichwort: Politikverdrossenheit)
* Wenn die Spielregeln der „echten Politik“ bekannt sind, dann fällt das Mitspielen – also das sich Einmischen – leichter
* „Erfolgserlebnisse“ im Planspiel machen Mut, die eigene Zukunft zu Hause in der eigenen Kommune in die Hand zu nehmen

Medienbildung, besondere Lernziele, Kenntnisse durch das Online-Spiel!